Neurochirurgie Karlsruhe
Neurochirurgie Karlsruhe

ALFRED WASHINGTON ADSON (1887 - 1951)

Geboren in Terril, Iowa, USA. 1914 Abschluß des Medizinstudiums an der Universität Pennsylvania. 1918 Master of Science für Chirurgie an der Mayo Foundation Graduate School, wo er bis zu seinem Ausscheiden 1946 blieb. Adson erhielt keine spezielle neurochirurgische Ausbildung. Ab 1916 neurochirurgische Operationen.  Ab 01.01.1917 Aufbau einer neurochirurgischen Abteilung und deren Leitung, zunächst parallel zur Chirurgie. Ab 1921 arbeitete Adson ausschließlich neurochirurgisch. 1940 Mitbegründer des American Board of Neurosurgery. Adsons Arbeitsschwerpunkte waren die Chirurgie des Sympathicus, der Trigeminusneuralgie, der Plexus-brachialis-Kompression sowie über Liquorfisteln. Ferner entwickelte Adson zahlreiche chirurgische Instrumente.

 

ALFONSO ASENJO GOMEZ (1906 – 1980)

Asenjo wurde Valparaiso, Chile, geboren. 1928 Medizinexamen in Santiago. de Chile. 1935 Fortbildungsaufenthalt in New York und Boston. Über ein Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung 1936-39 neurochirurgische Fortbildung bei Tönnis an der Hansaklinik, wo er Oberarzt wurde. Weitere Fortbildungen bei Vincent, de Martel, Cairns, Olivecrona. 1939 gründete er die erste neurochirurgische Abteilung in Santiago de Chile am Hospital del Salvador. 1943 initiierte Asenjo gemeinsam mit Fulton  die Gründung eines internationalen Fachjournals für Neurochiurgie (Journal of Neurosurgery), dessen erste Ausgabe 1944 erschien. 1945 gründete er zusammen mit Kollegen aus Argentinien, Brasilien und Uruguay den 1. Kongreß lateinamerikanischer Neurochirurgen. Asenjo war der Begründer der Neurochirurgie in Lateinamerika.

 

PERCIVAL SYLVESTER BAILEY (1892 – 1973)

Bailey wurde in Little Egypt, Süd-Illinois, geboren. Seine deutschen Vorfahren hießen Boehler und kamen aus dem Südschwarzwald bei Freiburg i.Br. . Breite neurowissenschaftliche Ausbildung in Frankreich, Deutschland sowie in den USA, hier vor allem bei Cushing, bei dem er 1919-1928 arbeitete. Mit ihm verfaßte er die erste umfassende Monographie über Hirntumoren „TUMORS OF THE GLIOMA GROUP AND BLOOD VESSEL TUMORS OF THE BRAIN“ (1926). Ab 1928 baute Bailey eine Abteilung für Neurochirurgie an der Universität Chicago auf, die er neurowissenschaftlich-interdisziplinär ausrichtete, ähnlich dem KWI (Berlin) oder dem MNI (Montreal). Ab 1939 arbeitete Bailey nur noch auf dem Gebiet der  Neurophysiologie und ab 1951 als Leiter einer großen psychiatrischen Klinik in Illinois.

ERNST VON BERGMANN (1836-1907)

In Riga geboren. 1871 Ernennung zum Professor für Chirurgie in Dorpat (heute Tartu, Estland). 1878 – 1882 Ordinarius für Chirurgie in Würzburg. 1882 bis zu seinem Tode Direktor der 1. Chirurgischen Universitätsklinik Berlin (Ziegelstraße). Seine Erfahrungen als Kriegschirurg bei Hirnverletzten führten zur Herausgabe der Monographie Die Lehre von den Kopfverletzungen (1880), in der er erstmals den heute noch gültigen Zusammenhang zwischen erhöhtem Hirndruck und dem arteriellen Blutdruckverlauf aufzeigt („Cushing-Reflex“). Ein weiterer neurochirurgischer Schriftbeitrag ist die Chirurgie des Kopfes im Handbuch der Praktischen Chirurgie (1903).

FRIEDRICH GUSTAV VON BRAMANN (1854 - 1913)

Bramann wurde in Wilhelmsberg, Ostpreußen, geboren. 1875-1880 Studium der Humanmedizin an der Albertus-Universität zu Königsberg. Ab 1884 an der 1. Chirurgischen Universitätsklinik (Ziegelstraße) unter Ernst v. Bergmann. Bekannt wurde Bramann durch die Tracheotomie bei Kronprinz Friedrich, wofür er 1890 geadelt wurde. 1890 wurde er Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in Halle. Insbesondere seine wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Hirnchirurgie, vor allem zur Behandlung des Hydrozephalus (Balkenstich), gemeinsam mit Anton) fanden Anerkennung der Fachwelt.

JEAN BRIHAYE (1922 - 1999)

Brihaye wurde in Brüssel geboren. Medizinstudium und neurochirurgische Ausbildung bei Paul Martin an der Freien Universität Brüssel, dessen Nachfolger er 1965 wurde.

PIERRE PAUL BROCA (1824 - 1880)

Broca wurde 1824 in Sainte-Foy-la-Grande bei Bergerac geboren. Seine Eltern waren Hugenotten. 1841 Medizinstudium in Paris. Bis 1951 arbeitete er als Pathologe. Danach kraniometrische und anthropometrische Studien. Durch Gratiolet wandte er sich  der Neuroanatomie zu. Anhand eines einzigen Falles („Monsieur Tan“) beschrieb er 1861 eine Läsion im Frontallappen als Ursache der „aphémie“, die durch Trousseau  in Aphasie umbenannt wurde. Er beschrieb einen „limbischen Lappen“, der heute als Limbisches System bezeichnet wird. Er entwickelte Koordinaten zur Lokalisation des Sprachzentrums bzw. der Rolandi´schen Fissur am Kopf und operierte 1871 einen Patienten entsprechend.

PAUL C. BUCY (1904 - 1993)

In Iowa geboren. Hier Studium der Medizin. Zunächst Abschluß in Neuropathologie an der Universität Iowa. Ab 1928 Zusammenarbeit mit Percival Bailey an der Universität Chicago. 1930-31 Auslandsaufenthalt bei Gordon Holmes in London und Otfrid Foerster in Breslau.  Ab 1939 Leiter der Neurologischen und Neurochirurgischen Abteilung an der Universität Chicago. Ab 1954 Professor für Neurochirurgie an der Northwestern University. Chicago. Mit Bailey  umfassende Arbeiten auf Gebiet der der Hirntumorforschung. Zusammen mit dem deutschstämmigen Psychologen Heinrich Klüver ab Ende der 1930er Jahre Erforschung der Symptomatik bitemporaler Läsionen an Affen (Klüver-Bucy-Syndrome). Bucy gründete 1972 die Zeitschrift Surgical Neurology, die zwischen 1973 und 2009 erschien. Da in dem Ort, in dem Bucy aufwuchs, überwiegend deutschstämmige Emigranten wohnten, sprach Bucy sehr gut Deutsch. 

Nikolai Nilowitsch Burdenko (Николай Нилович Бурденко) (1876 - 1946)

wurde in Kamenka, Russland geboren. 1886 zunächst Besuch eines Priesterseminars und ab 1897 Besuch der Medizinischen Fakultät der Universität von Tomsk bzw. in Yuriev (Tartu, Estland). Teilnahme am Russisch-Japanischen Krieg 1904-05. Hier entwickelte er operative Techniken zur Behandlung Rückenmarls -und Nervenverletzter. 1909 Fortbildung bei Bier, Krause und Oppenheim in Berlin bzw. v. Monakow in Zürich. 1910 Ernennung zum Professor der Chirurgie in Yuriev (Tartu). 1935 und 1937 Aufenthalt bei de Martel de Janville in Paris. 1937 initiierte er eine neurochirurgische Fachzeitschrift ("Fragen der Neurochirurgie"), 1944 Mitbegründer der Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR. Burdenko gilt als der Begründer der sowjetischen bzw. russischen Neurochirurgie (s. auch Puusepp).

EDUARD BUSCH (1899 - 1982)

Busch wurde in Kopenhagen geboren. Medizinstudium und Weiterbildung für Chirurgie 1924 in Kopenhagen und Tätigkeit als Chirurg in Soenderborg, Hjoerring und Kopenhagen. 1933 neurochirurgische Fortbildung bei Olivecrona in Stockholm, 1933-34 bei Cushing, Dandy und Adson sowie 1936 bei Leriche in Strasbourg. 1934 Leiter einer neurochirurgischen Abteilung in der Neurologischen Klinik an der Universitätsklinik Kopenhagen, 1938 dann Leiter der ersten unabhängigen neurochirurgischen Abteilung an der Universitätsklinik in Kopenhagen. 1948 Ernennung zum Professor für Neurochirurgie. Nach 1931 in Bern, 1935 in London fand im August 1939 der dritte Internationale Kongress für Neurologie in Kopenhagen statt, auf dem ein ganzer Tag neurochirurgischen Fragen gewidmet war. Während des 2. Weltkrieges war Busch im Untergrund gegen die deutschen Besatzer aktiv.  Noch während des 2. Weltkrieges und danach Gründung weiterer neurochirurgischer Kliniken, die mit seinen Schülern besetzt wurden. Busch war der Begründer der modernen Neurochirurgie in Dänemark.

KARL-AUGUST BUSHE (1921 - 1999)

Bushe wurde in Wernigerode geboren. Studium der Medizin in Freiburg, Göttingen und Berlin, wo er das Staatsexamen ablegte.  Ab 1949 neurochirurgische Ausbildung bei Okonek in Göttingen und 1956 Habilitation ebenda. 1961 apl. Prof. für Neurochirurgie an der Universität Göttingen. 1962 Berufung auf den Lehrstuhl für Neurochirurgie für seinen 1961 verstorbenen akademischen Lehrer Gerhard Okonek. 1974 in gleicher Funktion Berufung an die Universität Würzburg. Auf Betreiben Bushes 1986 Einrichtung eines ersten Ordinariats für Pädiatrische Neurochirurgie in Würzburg. 1987 Emeritierung. Wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der onkologischen, vaskulären und pädiatrischen Neurochirurgie.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-August_Bushe

 

SIR HUGH CAIRNS (1896 - 1952)

Cairns wurde in Australien geboren. Er kam als Rhodes´-Stipendiat nach London. Ab 1919 Ausbildung als Chirurg in Oxford am Radcliffe Infirmary. Ab 1921 chirurgische Tätigkeit in London. 1926-27 ging Cairns für ein Jahr zu Cushing nach Boston als Rockefeller-Stipendiat und arbeitete nach seiner Rückkehr ausschließlich neurochirurgisch in London. In dieser Zeit arbeiteten zahlreiche kontinentaleuropäische Chirurgen bei Cairns (z.B. Krayenbühl (Schweiz) und Lima (Portugal). 1937 Direktor der neurochirurgischen Klinik am Radcliffe-Hospital in Oxford. Neurochirurgische Beiträge waren die Einführung der Helmpflicht für Motorradfahrer, Deckung von Kalottendefekten mit Acryl bzw. Tantal sowie weltweit die erste Anwendung von Penicillin bei Meningitis.

ANTONY CHIPAULT (1866 - 1920)

Chipault wurde in Orléans geboren. Ab den 1890er Jahren begründete er die Neurochirurgie in Frankreich. Zunächst am Hôtel Dieu in Paris tätig, wandte sich Chipault nach seinem Wechsel an die Salpetrière zunächst der Wirbelsäulenchirurgie zu. Er stellte als Erster die OP-Indikation bei inkomplettem Querschnittssyndrom bei der Pott´schen Krankheit. Ferner wandte er erstmals Reduktionstechniken bei Wirbelfrakturen an. 1892 operierte Chipault den ersten Hirntumor in Frankreich. 1894 – 1895 erschien seine Monographie „Chirurgie Opératoire du Système Nerveux“. Von 1896 –1901 gab Chipault die erste neurochirurgische Fachzeitschrift „Travaux de Neurologie Chirurgicale“ in Europa heraus, in der internationale Autoren publizierten.

RALPH B. CLOWARD (1908-2000)

Cloward wurde in Salt Lake City, Utah geboren. Zwischen 1934-38 neurologische und neurochirurgische  Ausbildung in Chicago, u.a. bei Percival Bailey. Beim japanischen Überfall auf die USA am 07.12.1941 war Cloward der einzige Neurochirurg auf Pearl Harbour und versorgte sämtliche Soldaten mit neurochirurgischen Verletzungen. Hierfür wurde er für seinen Einsatz von Präsident Roosevelt geehrt. Cloward ist ein Pionier der neurochirurgischen Wirbelsäulenchirurgie. Cloward entwickelte die „Posterior Lumbar Interbody Fusion“ PLIF (1943), die obere thorakale Sympathektomie bei Hyperhidrosis manuum (1950) sowie eine spezielle ventrale Fusionstechnik an der HWS, ferner entwickelte Cloward über 100 Instrumente für die Spinale Neurochirurgie.

HARVEY WILLIAMS CUSHING (1869 - 1939)

Cushing wurde in Cleveland, Ohio, geboren. 1895 Medizin-Examen. 1900 bis 1901 ausgedehnte Europareise mit längerem Aufenthalt bei Kocher in Bern. Danach chirurgische Tätigkeit bei Halstead am Johns Hopkins Hospital in Boston bis 1912. In dieser Zeit Spezialisierung auf dem Gebiet der Neurochirurgie. Von 1912-1932 Leiter der Neurochirurgie am Peter Bent Brigham Hospital in Boston. Cushing hat die Neurochirurgie  der westlichen Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich geprägt und in den USA eine neurochirurgische Schule begründet. Seine wissenschaftlichen und operationstechnischen Beiträge sind immens. Viele europäische Neurochirurgen haben Teile ihrer Ausbildung bei Cushing erhalten.

WALTER EDWARD DANDY (1886 - 1946)

Dandy wurde in Sedalia, Missouri, als Sohn englischer Einwanderer geboren. Zunächst experimentell-chirurgische Tätigkeit am Johns Hopkins-Hospital, wo Cushing auf ihn aufmerksam wurde. 1918 Beginn der neurochirurgischen Tätigkeit unter Cushing. Frühe Arbeiten über die Liquorpathophysiologie. Erfindung der Ventrikulographie (1918). Akustikustumoren wurden zuerst von Dandy radikal operiert. 1937 gelang es Dandy als Erstem, ein Hirnarterienaneurysma operativ auszuschalten. Ferner operative Behandlung von lumbalen Bandscheibenvorfällen sowie und Erstbeschreibung der vaskulären Kompression bei der Trigeminusneuralgie (1929). Neben Cushing bedeutendster Neurochirurg der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

MARCEL DAVID (1898 - 1986)

David wurde in Asnières, nahe Paris geboren. Ab 1928 zusammen mit Pierre Buech Assistent Vincents an der Pitié. 1939 Beendigung seiner neurochirurgischen Tätigkeit bei Vincent. Da David Jude war, mußte er 1940 Frankreich verlassen und operierte im Ausland Patienten, die Allgemeinchirurgen ihm zur Operation zuwiesen. Nach dem Krieg zunächst Leiter einer neurochirurgischen Abteilung am Hôpital Sainte Anne als Nachfolger Buechs, wo er zusammen mit Jean Talairach stereotaktisch arbeitete. 1960 Nachfolger Petit-Dutaillis´an der Pitié. Pensionierung 1969. 

LOYAL EDWARD DAVIS (1896-1982)

Davis wurde in Galesburg, Illinois, geboren. Ausbildung an der Northwestern University Medical School, Chicago, Illinois. Davis nahm eine Sonderstellung in der neurochirurgischen Szene insofern ein, als er eher neurochirurgischer Selfmade-Mann war. Er war Chirurg, der umfassend als Neurochirurg arbeitete. Davis veröffentlichte 1936 ein das Feld der Neurochirurgie umfassend abdeckendes Lehrbuch Neurological Surgery, das es in dieser Form bis dahin nicht gab. Dieses Lehrbuch erschien in 3 Auflagen. Davis war Direktor der Allgemeinchirurgie am Northwestern University Hospital. der Davis-Dissektor trägt bis heute seinen Namen. Seine Stieftochter Nancy Davis heiratete später Ronald Reagan.

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ALBERT DEREYMAEKER (1916 -1988)

Dereymaeker wurde 1916 in Anderlecht geboren. Medizinisches Diplom 1940. Danach Tätigkeit bei dem belgischen Anatomen Ernest van Campenhout in Löwen. Neurologische Ausbildung bei Paul Van Gehuchten und neurochirurgische Spezialisierung in Amsterdam (1941) sowie bei Clocis Vincent (1942). Dereymaeker ünernahm die Leitung der neurochirurgischen Abteilung an der Universität Löwen 1954. Spezialisierung auf dem Gebiet der fuktionellen Stereotaxie. Vermutlich hat Dereymaeker zeitgleich mit George Smith und Robert Robinson den ventralen Zugang zur Halswirbelsäule entwickelt (s. Kapitel HWS in Neurochirurgie der Wirbelsäule). Nach der Emeritierung van Gehuchtens übernahm Dereymaeker auch vorübergehend bis 1979 den Lehrstuhl für Neurologie in Löwen. Emeritierung 1984.

NORMAN DOTT (1897 - 1973)

Dott wurde in Edinburgh geboren. Hugenottische Vorfahren (d´Ott), die um 1680 aus Frankreich nach Schottland flohen. Studium der Medizin und Abschluß in Edinburgh 1919. 1919-21 Fortbildung in Chirurgie und Physiologie. 1923 über ein Rockefeller-Stipendium Weiterbildung bei Cushing in Boston. 1924 zunächst in Edinburgh Kinderchirurgie. Ab 1937 Leitung einer neurochirurgischen Abteilung am Royal Infirmary. 1947 Professor für Neurochirurgie an der University of Edinburgh. Stellte als Erster angiographisch ein Aneurysma im Circulus Willisii dar, das operativ ausgeschaltet wurde. Ferner Arbeiten zur Liquordynamik und zum Gesichtsschmerz.

FRANCESCO DURANTE (1844 – 1934)

Durante wurde in Letoianni, Sizilien, geboren. Medizinexamen 1868 in Neapel. Danach pathologische Tätigkeit in Florenz. Durch ein Stipendium Aufenthalt bei Virchow in Berlin 1870/71. Danach chirurgische Weiterbildung bei Billroth in Wien und Assistent bei Lister in London. 1872 Aufenthalt in Paris bei Ranvier. 1872 zunächst Professor für Pathologie in Catania 1875, Padua 1881 und Rom 1882. 1885 wurde er Leiter der Chi-rurgischen Klinik in Rom, die er bis zu seiner Emeritierung 1919 leitete. 1884 operierte dabei als Erster ein Olfactoriusrinnen-Sarkom. Durante veröffentlichte in Italien 1895 ein dreibändiges chirurgisches Lehrbuch mit einem umfassenden neurochirurgischen Kapitel. Durante darf als der Begründer der Neurochirurgie in Italien gelten.

CHARLES ALBERT ELSBERG (1871-1948)

Amerikanischer Neurochirurg, geboren in in New York City. Wurde von den Nervenärzten Collins, Bailey und Fraenkel an das 1909 von ihnen gegründete Hospital "For the study and treatment of nervous diseases" (Später "Neurological Institute of New York") geholt. Vorher als Assistenzarzt chirurgische Ausbildung bei Arpad Gerster am Mt. Sinai Hospital, New York tätig. Europaaufenthalt bei v. Mikulicz-Radecki (Breslau). Elsberg baute die neurochirurgische Abteilung auf und spezialisierte sich auf Wirbelsäulen- und Rückenmarkschirurgie. Wesentliche Buchbeiträge von Elsberg sind: „Diagnosis and Treatment of Surgical Diseases of the Spinal Cord and Its Membranes“ (1916), „Tumors of the Spinal Cord & The Symptoms of Irritation & Compression of the Spinal Cord & Nerve Roots“ (1925), sowie „Surgical Diseases of the Spinal Cord, Membranes, and Nerve Roots“ (1941).  Sowohl Elsberg als auch seine neurochirurgischen Leistungen sind in Europa kaum bekannt.

GIAN MARIA FASANI (1887 - 1956)

Fasani wurde in Garessio, Piemont, geboren. Studium der Medizin in Turin. Hier Promotion. 1925 a.o. Professor für chirurgische Pathologie an der Universität Padua. In Padua begann Fasani seine neurochirurgische Tätigkeit. 1939 Ruf auf den Chirurgischen Lehrstuhl in Mailand. Fasani gründete am 21.10.1951 die Italienische Gesellschaft für Neurochirurgie. Seine wissenschaftlicher Schwerpunkt in der Neurochirurgie waren die Behandlung von Hirnabszessen, des Hydrozephalus sowie der Schädel-Hirn-Verletzungen.

KARL OTFRID FOERSTER (1873 - 1941)

Foerster wurde in Breslau geboren. 1897-1899 Auslandsaufenthalte in Paris und in der Schweiz. Fundamentale Beiträge zur Neurophysiologie und Neurologie. Foerster lernte Neurochirurgie autodidaktisch. Er  führte 1908 erstmals die dorsale Rhizotomie bei Spastik und 1912 die Chordotomie bei Schmerzzuständen durch. Ab 1915 Operationen Nerven- und Gehirnverletzter. Breslau besaß durch Foerster in der Neurologie Weltbedeutung. Viele US-Amerikanische Neurochirurgen hospitierten bei Foerster (Bailey, Bucy, Penfield). 1927-1936 Herausgeber des monumentalen Handbuch der Neurologie zusammen mit Bumke.

CHARLES HARRISON FRAZIER (1870 - 1936)

Amerikanischer Chirurg, hauptsächlich in Pennsylvania, USA, tätig. Wie viele amerikanische Ärzte arbeitete Frazier nach seiner Ausbildung in Europa. 1901 arbeitete er für ein Jahr in Berlin bei Virchow (Pathologie) und v. Bergmann (Chirurgie). Seine wesentlichen neurochirurgischen Beiträge waren die Einführung der palliativen Dekompression bei Hirntumoren, die Durchtrennung der Hinterwurzel zur Behandlung der Spastik, die Durchtrennung der Trigeminuswurzel bei Trigeminusneuralgie. Der klassische und noch heute angewandte dorsale Mittellinienzugang bei Eingriffen in der hinteren Schädelgrube wurde von Frazier erstbeschrieben.

Joachim Gerlach (30.03.1908–07.04.1989)

Gerlach wurde in Breslau geboren. Bereits als  Student Kontakt zu Hartwig Kuhlenbeck mit Fragen der vergleichenden Anatomie des Nervensystems und philosophische Fragen der Neurowissenschaften. Nach der chirurgischen Grundausbildung ab 1938 am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch. Der Krieg zwang ihn in die chirurgische Tätigkeit zurück. Im Lazarett für Hirnverletzte erhielt er eine neurochirurgische Ausbildung bei Ernst Lemke, einem Schüler von Herbert Peiper. Als Leiter einer Neurochirurgischen Abteilung wechselte er 1948 an die Universität Würzburg, wo er – beispielhaft für diese Zeit - innerhalb von 20 Jahren aus einer chirurgischen Sonderstation einen eigenen Lehrstuhl für Neurochirurgie entwickelte. Joachim Gerlach gehörte in Deutschland zu den ersten, die sich mit Methoden der Hirndruckmessung befassten, bei Hirnoperationen die Intubationsnarkose anstelle der Lokalanästhesie einsetzten und  wesentliche technische Neuerungen für die Darstellung der Hirngefäße einführten. Er gab das erste deutsche Lehrbuch für Kinderneurochirurgie heraus. Daten: H. Collmann; Foto: privat.

NIKOLAI GULEKE (1878 - 1958)

Guleke wurde in Pernau, Livland (Baltikum) geboren. Schulausbildung in Dorpat. Kam durch v. Bergmann, der aus Dorpat stammte, zur Medizin. 1902 Staatsexamen in Medizin und Promotion. Zunächst Fortbildung bei Orth in Pathologie, ab 1903 bei v. Bergmann, der Guleke zügig mit der neurochirurgischen Arbeit vertraut machte. Nach v. Bergmanns Tod 1906 ging er 1907 zu Madelung an die Universitätsklinik Straßburg. 1908 ebenda Habilitation. 1913 Extraordinarius. Im 1. Weltkrieg 1914-18 Leiter eines Festungslazaretts in Straßburg. 1918 Berufung auf das Ordinariat in Marburg, 1919 Übernahme des Lehrstuhls an der Universität Jena. Emeritierung 1951 in Jena. Guleke arbeite umfassend auf dem Gebiet der gesamten Neurochirurgie und hat zahlreiche Lehrbuchbeiträge verfaßt.

GERARD GUIOT (1912 - 1998)

Guiot wurde in Fourniers, Nordfrankreich, geboren. Studium der Medizin in Paris. Neurochirurgische Ausbildung bei Clovis Vincent. Neurologische Ausbildung bei Raymond Garcin sowie neurochiurgische Fortbildung bei Norman Dott in Edinburgh. 1954 gründete er am Hôpital Foch in Suresne-Paris eine Abteilung für Neurochirurgie. Guiot war in Frankreich der Begründer der Mikrochirurgie und spezialisierte sich auf dem Gebiet der transsphenoidalen Hypophysenchirurgie.

Emil Heymann (1878 – 1936)

Heymann wurde in Altona b. Hamburg 1878 als Sohn eines Rechtsanwalts geboren. Er war der einzige neurochirurgische Schüler Fedor Krauses, einem Pionier der Neurochirurgie im Deutschland am Anfang des 20. Jahrhunderts. Heymann war 1922 Nachfolger Krauses als Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des  Augusta-Hospital in Berlin, wo er bis zu seinem frühen Tod arbeitete. Heymann führte zielstrebig sowohl neue neuroradiologischen Untersuchungstechniken als auch neue Operationstechniken in die Neurochirurgie ein. Auch technische Neuerungen stammten von ihm. Als Jude war er nach 1933 den Verfolgungen der Nazis ausgesetzt. 1935  wurde er von der Berliner Universität entlassen und starb im Januar 1936, kurz bevor er eine neue Stelle in Übersee antreten konnte.

OTTO HILDEBRAND (1858 – 1927)

Otto Hildebrand wurde in Bern (BE) als Sohn des aus Naumburg/Saale stammenden Nationalökonomen Friedrich Bruno Hildebrand geboren. Studium der Medizin in Jena. Dort 1886 Promotion. Er war Schüler Franz Königs in Göttingen, der 1895 Nachfolger Bardelebens an der 2. Chirurgischen Klinik der Charité wurde. 1896 bis 1899 Leiter der Chirurgischen Poliklinik an der Charité. 1899 ging er als Ordinarius nach Basel und wurde 1904 Nachfolger sei-nes Lehrers Franz Königs an der Charité. Wesentliche Publikationen  zur Rückenmarkschirurgie (1911) sowie zur Chirurgie der hinteren Schädelgrube (1913), zur Hypophysen- und zur Sympathicuschirurgie, lange vor Leriche. Sein Nachfolger im Amt wurde 1927 Ferdinand Sauerbruch.

SIR VICTOR ALEXANDER HADEN HORSLEY (1857 - 1916)

Horsley wurde in London geboren, wo er auch Medizin studierte. Von 1884 bis 1890 Tätigkeit als Pathologe in London. 1885 entwickelte Horsley Knochenwachs zum Abdichten blutender Diploevenen. Zwischen 1884 und 1886 führte er als Erster intraoperative elektrische Stimulationen zur Lokalisation von epileptischen Foci an. Er nahm 1886 die erste Hirnoperation vor und operierte 1887 erstmals erfolgreich einen Tumor im Spinalkanal. Horsley beschrieb 1888 die dekompressive Kraniektomie bei raumfordernden Hirntumoren. 1908 erfand er zusammen mit Clarke den Horsley-Clarke-Apparat und begründete so die Sterotaxie, für die er ferner ein stereotaktisches Koordinatensystem zur Lokalisation von Hirnstrukturen einführte.