Neurochirurgie Karlsruhe
Neurochirurgie Karlsruhe

Neurochirurgie in Frankreich

Bedingt durch den politischen Zentralismus in Frankreich entwickelte sich die Neurologie und Neurochirurgie in den Anfängen, also etwa ab Ende 1890er Jahre vor allem in Paris (z.B. in den Hôpitaux Salpetrière und Pitié).

Die Entwicklung der Neurochirurgie in Frankreich ist, anders als in Deutschland oder den USA, aber ähnlich wie in Großbritannien, eng mit der Neurologie verbunden. Alle bedeutenden französische Neurochirurgen hatten neurologische Mentoren: Antony Chipault  (Jean-Martin Charcot und Pierre Marie), Clovis Vincent und Thierry de Martel (Joseph Babinski), Daniel Petit-Dutaillis und Guillaume (Georges Charles Guillain und Raymond Garcin).

Chipault, eigentlich HNO-Arzt, war der erste Chirurg, der gegen Ende der 1890er Jahre in Paris begann, neurochirurgisch zu arbeiten. Wesentlich entwickelt wurde die Neurochirurgie in Frankreich jedoch erst ab etwa 1900 durch den Neurologen Joseph Babinski, der Clovis Vincent und Thierry de Martel ermutigte, sich neurochirurgisch zu spezialisieren. Eine gewisse Sonderstellung hat dabei René Leriche, ein Mathieu Jaboulay-Schüler aus der bedeutenden Chirurgenschule in Lyon, der vor allem Schmerzchirurgie betrieb und darüber 1936 eine Monographie veröffentlichte („Chirurgie de la douleur“).

Die eigentliche moderne Neurochirurgie in Frankreich begann jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg: Gründe hierfür waren einerseits die politische Situation des Landes während der deutschen Besatzungszeit, vor allem aber der Umstand, daß die wissenschaftlich Verkehrssprache nunmehr Englisch und nicht mehr Französisch oder gar Deutsch war. Clovis Vincent, z.B., hospitierte bei Cushing und brach seine Hospitanz, bedingt durch die Sprachbarriere, ab. Die Fortentwicklung der Neurochirurgie in Frankreich in der frühen Nachkriegszeit ist wiederum eng an Schüler von Vincent gebunden: hier sind Daniel Petit-Dutaillis, Marcel David, Bernard Pertuiset sowie Guillaume zu nennen, spätere bekannte französische Neurochirurgen sind z.B. Guy Lazorthes (Toulouse), Yves Lazorthes (Toulouse) sowie  Marc Sindou (Lyon) zu nennen (neuromodulatorische und ablative Therapieformen bei Erkrankungen mit Spastik, funktionelle Neurochirurgie) sowie Bernard Georges (Paris) (Wirbelsäulenchirurgie).