Neurochirurgie Karlsruhe
Neurochirurgie Karlsruhe

Neurochirurgie in Italien ab Ende des 19. Jahrhunderts

Wie in praktisch allen anderen vergleichbaren Ländern Europas Ende des 19. bis Mitet des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Neurochirurgie aus der Allgemeinchirurgie. Die wesentlichen chirurgischen Schulen waren: Firenze, Bologna, Pisa, Torino, Padua-Venezia, später Pavia, Verona, Milano, Roma and Napoli. Eine Übersichtsdarstellung der Entwicklung der Neurochirurgie in talien findet sich bei Mastronardi und Ferrante (2009).

Wesentliche neuroanatomische Beobachtungen finden sich in Italien bereitzs im 16. und 17. Jahrhundert, wie etwa die Beobachtung  eines rupturierten Hirnarterienaneurysmas im parasellären, intrasiphonalen ICA-Verlauf durch Francesco Biumi (Milano), die dieser durch eine Sektion bestätigt (was damals sehr schwierug war).

Wie in anderen europäischen Ländernm auch, hat sich die Neurochirurgie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend als Subspezialität aus der Allgemeinchirurgie abgegliedert.

Erste neurotraumatologische Eingriffe wurden von Vaccà-Berlinghieri und Renzi an der Universität Pisa vorgenommen. Rizzoli (Universität Bologna) beschrieb das sog. "freie Intervall" nach einen Schädel-Hirn-Trauma, wie es bei einem epiduralen Hämatom typisch ist. In diese Zeit, 17. Jahrhundert, fielen auch fundamentale neuroanatomische Arbeiten (Giulio Casserio), der den Circulus willisii 37 Jahre vor diesem beschrieb und ihm den Namen "Poligon" (Vieleck) gab, was der geometrischen Form sehr gut entspricht. Ferner sind Luigi Rolandos Beobachtungen des sensomotorischen Sulcus (rolandii) zu erwähnen.

Im September 1885 operierte der sizilianische Chirurg Francesco Durante in Rom ein "Fibrosarkom" an der Dura mater cerebri (Meningeom) der Olfactoriusrinne (=Olfactoriusrinnenmeningeom). Diese Operation wurde im Lancet 1887 veröffentlicht. 1898 entwickelte der Geburtshelfer Leonardo Gigli eine Drahtsäge, später "Giglisäge" genannt, mit der er die Symphysis pubis durchtrennte. Dieses Instrument wird bis heute auch in der Neurochirurgie, aber auch in der Traumatologie benutzt. Sie ist auf Grund seiner einfachen Konstruktion modernen Formen in manchen Situationen, vor allem an der Kalotte, bis heute überlegen (de Martel-Fräse, Umbachbohrer), weil die Knochendefekte sehr gering sind. Im selben Zeitraum entwickelte Giordano einen transnasalen-frontoethmoidalen Zugang zur Hypophyse (Hirnanhangdrüse).

Als Pioniere der italienischen Neurochirurgie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind zu nennen: Gian Maria Fasani, Mario Milletti Frugoni, Visalli, Morello, Castellano, Chiasserini, Patricolo, und Guidetti. Italienische Neurochirurgen (Fasiani,

René Leriche beschreibt in seinen Memoiren die feine Operationstechnik, die er bei seinen Besuchen in Italien gesehen hat und stellt sie den von ihm als eher grob empfundenen OP-Techniken in Deutschland gegenüber. Kocher äußerte sich zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt analog.

Ein Abstrakt zur Entwicklung der Sterotaxie in Italen findet sich hier

Die Italienische Gesellschaft für Neurochirurgie (Societá Italiana di Neurochirurgia) wurde am 29. Mai 1948 gegründet.